"Ich wollte den Wechsel erleben – als Krise und als Chance!"
Brit Hannak, 59, fühlte sich nach der Entfernung ihrer Gebärmutter nicht mehr als ganze Frau. Erst der Wechsel veränderte ihr Leben von Grund auf – zum Positiven.
Mein Leben im Wechsel begann, als ich im Jahre 2008 meine Gebärmutter entfernen lassen musste. Dabei war ich seit meiner ersten Periode voller Stolz und zu hundert Prozent Frau. Und ich hatte immer das Glück gehabt, dass mein Körper diesbezüglich sehr gut funktionierte – wenige bis keine monatlichen Beschwerden und alles wundervoll regelmäßig. Ich war im wahrsten Sinne des Wortes im Fluss. Wenn ich mich so zurückerinnere: Bereits als junges Mädchen empfand ich die Vorstellung, Mutter zu werden und Mutter zu sein, als etwas sehr Schönes. Und mein Wunsch nach gesunden Kindern erfüllte sich mit meinen beiden Töchtern für mich schon als junge Frau.
Romantische Vorstellung vom zeitlosen Alter
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Eine ähnliche positive Vorstellung hatte ich von den Wechseljahren. Mich faszinierten die Berichte über Frauen, die ihren Wechsel als etwas komplett Natürliches, Bereicherndes und sehr Schönes erlebten. Soweit meine damalige geistige Vorstellung vom Übergang der fruchtbaren Frau in das zeitlose Alter...
Doch es kam alles anders: Vor 13 Jahren – mit etwas über 45 musste ich mich seelisch darauf vorbereiten, dass mein Frau sein nach der Gebärmutterentfernung sehr schnell eine andere Dimension erfahren würde. Wie es nach diesem Eingriff wirklich werden und sein sollte, das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht – und das konnte mir auch niemand so wirklich beantworten. Zu unterschiedlich wurden die Auswirkungen einer Hysterektomie bei Frauen im (noch) gebärfähigen Alter beschrieben.
Die Gebärmutterentfernung änderte vieles
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So ließ ich mich auf das frühzeitige Abenteuer ein, und es passierte – nichts. Gar nichts. Also körperlich, denn da lief eigentlich fast alles so wie früher. Nur mit dem Pluspunkt, dass ich mir keine Gedanken mehr um Verhütung machen musste oder ob ich meinen Urlaub um meine Periode herum planen musste.
Seelisch jedoch spürte ich eine große Veränderung. Ich fühlte mich unvollständig, nicht mehr richtig als Frau. Ja, ich vermisste tatsächlich meine Gebärmutter. Einige Jahre später ließ ich einen Hormonstatus machen, weil ich so überhaupt keinen körperlichen Anhaltspunkt hatte, ob ich schon im Wechsel war oder ob mein Körper weiter Hormone produzierte. Irgendwie wünschte ich es mir, dass er es noch täte – um mich zumindest noch ein bisschen weiblich zu fühlen. Und ja, siehe da: er tat es: sehr brav und regelmäßig sogar! Dafür war ich sehr dankbar und ich hatte das Gefühl, doch wieder vollständig zu sein.
Der Wechsel kam spät
Und danach? Mit 56 war es dann so weit: Laut meiner Ärztin befand ich mich im Wechsel. Die oft zitierten ständigen Hitzewallungen oder andere Beschwerden blieben bei mir allerdings beinahe komplett aus. Auffällig war jedoch für mich, dass ich zum Beispiel in der Sauna plötzlich schwitzen konnte – das versuchte ich davor nämlich jahrzehntelang vergebens: Mein Körper blieb meist auch bei 90° fast trocken und insgeheim beneidete ich jeden Menschen, auf dessen Haut nur ein Hauch von Schweiß schimmerte.
Streifzug durch die Naturheilkunde ...
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Da ich schon seit jungen Jahren eine Anhängerin der Naturheilmedizin bin, war für mich klar, dass ich – falls das Klimakterium mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen doch irgendwann zuschlagen sollte – in jedem Fall auch in diesen Bereich nach Erleichterung suchen würde. Deswegen machte ich mich mit verschiedenen Methoden, Anwendungen und Therapien aus der Komplementärmedizin vertraut.
Darunter etwa die Mykotherapie oder Shiatsu aus der TCM, Reiki, Ölziehen, Lichttherapie, Heilbäder, Farbtherapie, Tee-, und Kräuterkunde, Bachblüten, Atmung, Meditation, Homöopathie, Tuina, Yoga, japanisches Heilströmen, Magnetismus, Fuß- und Handreflexzonenmassagen – um nur einige Beispiele zu nennen.
... und Suche nach geistigem Wachstum
Ganz besonders wichtig war und ist mir auch die geistige Nahrung: Wo, wodurch und durch wen erfahre ich zusätzlich eine beglückende Bereicherung in meiner Weltanschauung in der Zeit meines Wechsels? Wer oder was lässt mich noch freier fühlen? Wo oder wie kann ich insgesamt – auch in mir – etwas verbessern, damit es mir und anderen in dieser Zeit des Überganges gutgeht?
Glücklicherweise habe ich mir Zeit meines Lebens Mentorinnen und Mentoren gesucht, bei denen ich wusste, dass ich von ihrem Wissen – speziell in Bezug auf das Klimakterium – profitieren kann. Man ist niemals zu alt für diese Art von Unterstützung, finde ich. Denn meinen Wechsel wollte ich ganz bewusst erleben – als Krise, als Chance, als neuen Lebensabschnitt, als Bereicherung. Es war (und es ist immer noch) von allem etwas dabei.
Der Wechsel führte zum Wandel
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Wozu ich mich noch entschieden habe in dieser langen, langen Phase der Veränderung?
- Ich habe den Übergang genützt, um meine Ehe zu beenden.
- Ich bin übersiedelt.
- Ich habe meinen alten Beruf zurückgelassen und mich Neuem zugewandt.
- Ich habe meinem Leben mehr Freiraum gelassen.
- Ich habe meine Interessen und Hobbies mehr in den Vordergrund gerückt.
- Ich habe meinen Freundeskreis neu aufgebaut.
- Ich habe einen anderen und noch besseren Zugang zu meiner Familie gefunden.
- Ich bin gelassener geworden.
- Ich nehme mich bewusster wahr.
- Ich habe gelernt, mehr zu mir und meinen Wünschen zu stehen.
- Ich lebe meine Sexualität, wie es mit gefällt.
- Ich fühle mich einfach befreit – und das macht mich glücklich!
Heute bin ich Brit. Zweifache Mutter und vierfache Großmutter. Mediatorin. Mentorin. Trainerin in der Erwachsenenbildung. Und Mykotherapeutin – denn die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Pilzen faszinieren mich. Außerdem? Eine sehr zufriedene Single-Frau im stetigen Wandel des Lebens. Und das soll noch lange so bleiben.
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