Barbara Schöber: Dem Wechsel(n) wohnt ein Zauber inne.
Die brutale Schönheit der Umbruchsphasen: Die selbstständige PR-Beraterin bringt mit großer Wortgewalt die Magie der Veränderung auf den Punkt.

Ich bin kein risikofreudiger Mensch. Große Umbrüche waren nie meins. Trotzdem durfte ich lernen: Verändern ist besser, als nur zu bleiben, was ich schon bin. Und hey, ich habe einige große Krisen gut bewältigt!
Ich verbringe gerade die letzten Tage meiner fünften Lebensdekade. Wow, was hat sich alles getan. Meine zwei Kinder – ich wurde mit 22 und 24 Mutter und als solche die längste Zeit alleinerziehend – gehen ihre eigenen Wege. Ich war nie Helicopter-Mom, das Empty Nest hat mich dennoch mehr beschäftigt als erwartet. Vielleicht, weil zeitgleich meine Liebesbeziehung schmerzhaft zu Ende ging und die Welt von einem Lockdown in den nächsten taumelte. An die Pandemie, oder besser gesagt, die damit verbundenen scheinbar unüberbrückbaren Meinungsunterschiede, verlor ich noch meine bislang beste Freundin. Tabula Rasa, als hätte jemand mit einer ungestümen Geste den ganzen Tisch vor mir leergewischt.
Say it loud, say it proud, say Perimenopause!
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Und dann ging das Leben weiter. Wie es das immer tut. Die Welt sperrte wieder auf. Eine neue Liebe nahm Form an. Und vor einem Monat habe ich schließlich nach 16 Jahren meinen Job in einer Künstleragentur gekündigt. Ich beginne gerade eine Coaching-Ausbildung und bereite meinen Neustart als selbstständige PR-Beraterin vor.
Meinen Eintritt in die sogenannten Wechseljahre würde ich in diesem Jahr verorten, in dem ich 50 werde. An Symptomen, die neu waren, ich aber nicht gleich zuordnen konnte. Habe ich im Sommer nicht deshalb so schlecht geschlafen, weil mein Hirn wegen des beruflichen Wechsels ratterte? Aber dann hab? ich realisiert: I'm in. Say it loud, say it proud, say Perimenopause – warum bitte auch nicht! Das Thema spricht mich an, macht mich neugierig, ich probiere herum, was mir guttut, teste Nahrungsergänzungsmittel und Beautyprodukte. Auf dem Coffeetable liegt Sheila de Liz. Mein Geist ist widerstandsfähiger als früher, dafür schwächeln die Gelenke. Die Großzehengrundgelenksarthrose (was für ein Wort!) lässt sich nicht mehr so gut verdrängen wie noch vor ein paar Jahren, als ich die vom Orthopäden geholten Einlagen rasch in irgendeinem ungeliebten Schuhpaar entsorgt habe.
Sex ist besser als je zuvor, und das liegt vor allem an mir
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Ich kann nicht mehr essen, was ich will, und wie früher gertenschlank bleiben. Meine Körpermitte ist stämmiger geworden, und eine kluge Frau hat mir geflüstert, dass wir die starke Mitte gut brauchen können. Recht hat sie. Abends stelle ich manchmal überrascht fest, dass ich den ganzen Tag lang kein einziges Mal in den Spiegel geschaut habe. Ich erlebe das als befreiend: Wann mein Äußeres wichtig ist, bestimme ICH. Einem Sexualpartner sage ich mittlerweile ganz konkret, was mich antörnt. Wie ich berührt werden möchte. Der Sex ist besser als je zuvor, und das liegt vor allem an mir.
Ich war viele Jahre lang anfällig für das Imposter-Syndrom, heute traue ich meinen eigenen Fähigkeiten. Sowohl beruflich als auch privat erlebe ich mich als in meiner Kraft angekommen. Ich weiß endlich, dass ich viel zu geben habe. Ich möchte mein heutiges Ich nicht gegen eine frühere Version eintauschen. Jüngeren Frauen will ich sagen: Freut euch auf diese Phase, sie bringt große Freiheit mit sich. In den kommenden Jahren möchte ich meine Autonomie weiter stärken. Ich bin nämlich zu der Überzeugung gelangt, dass ich in mir selbst ziemlich gut aufgehoben bin.
Es ist doch cool, zum Wechsel-Club zu gehören
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Ich erlebe mich in einer schönen Lebensphase – trotz der unglaublich vielen Veränderungen. Trotz der Grässlichkeiten, die die Welt im außen gerade wieder heranträgt. Ich schütze mich durch bewussten Nachrichtenkonsum. Ich muss nicht alles wissen. Ich muss auch nicht mehr überall dabei sein. Ich habe gelernt, dass ich viel weniger verpasse als früher angenommen. Ein bisschen hadere ich damit, mich selbst nicht mehr als jung zu betrachten. Bin ich im Umkehrschluss also alt? Das hört sich doch falsch an. Was ist denn das für ein Alter, das zwischen jung und alt liegt?
Der Wechsel – das Thema beschäftigt mich sicher noch länger. Aber es ist doch cool, zum Club zu gehören. Es verbindet mich mit anderen Frauen in einer neuen Schwesternschaft, ich finde den Erfahrungsaustausch toll. Fundierte Information ist mittlerweile leichter zugängig. Beim unlängst besuchten wechselweise-Menoday war mir klar: Wir Frauen in der Lebensmitte sind vielseitig und vor allem verdammt viele. Warum sind wir nicht längst so sichtbar wie zahlreich? Da liegt noch einige Arbeit vor uns. Mit PR & Social Media Beratung (Anfang 2024 gründe ich meine Agentur SCHÖNER mit B) will ich auch besonders Frauen dabei unterstützen, ihre Themen sichtbar zu machen.
Ich bin neugierig auf alle Wechsel, die noch vor mir liegen
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Übergänge verlagern die Wahrnehmung ins Hier und Jetzt. Das ist manchmal brutal. Und zugleich wohnt dem Wechseln ein Zauber inne. Nicht alles ist erklärbar, vieles versteht man erst im Nachhinein, manches ist angsteinflößend, immer ist es intensiv und oft ist es schön. Wie eine Trapezkünstlerin will ich mich durch die Luft schwingen, von einer Stange zur nächsten – und den Zustand des Schwebens genießen.
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