Oxytocin, Baby! Das Liebeshormon macht süchtig und aus schlappen Bullen vermeintliche Prinzen. Das Down danach verpasst auch Janina Lebiszczak einen Realitycheck.
Manche mögen es heiß: In Janinas Lebiszczaks wechselweiser Welt dreht sich alles um Selbstverwirklichung, Selbstwert und die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Sex, Katzen sowie die stetige Erweiterung des eigenen Horizonts und Humors. Foto: Markus Morianz
Weil man sich in der Pandemie ja das Wandern angewöhnt hat, huldige ich dem sprichwörtlichen Fortschritt immer noch regelmäßig. Meistens gehe ich einfach drauf los und entdecke dabei stets Dinge, die mich inspirieren. Wie zuletzt: Ein altes Plakat - pink illustrierte Ovarien samt Gebärmutter vor einem Sternenhimmel, die Ankündigung für ein sichtlich feministisches Theaterstück - denn die Eierstöcke waren mit spitzen Zähnen bestückt. Der Titel? „Oxytocin, Baby!“
Sofort war ich davon gefesselt, denn dieses Hormon hat in meinem Leben – und sicher auch in eurem – schon für ordentlich Radau gesorgt. Oxytocin, auch bekannt als das Kuschelhormon (obwohl ich diesen Namen aus Prinzip hasse), spielt eine zentrale Rolle, so es ums Wohlbefinden geht.
Die rosarote Brille
Seine wohl populärste Wirkung kennt man von der Geburt: Mama und Baby verschmelzen zu einer Einheit voller Liebe, und beim Stillen gibt es dann noch eine Extra-Dosis Hormon-Harmonie. Und selbst, wenn ich nicht unbedingt Lust darauf verspüre, durch einen Geburtskanal zu gleiten oder mich an einer Brust zu laben: Jeder Mensch braucht körperliche Nähe.
Das weiß auch unser Gehirn, denn es schüttet bei Berührungen und beim Sex jede Menge der körpereigenen Glücksdroge aus. Nachteil: Oxytocin macht auch vertrauensselig und leicht bis schwer dusselig. Und nach dem High folgt stets der Fall – also wenn die Wirkung nachlässt. Ein Down, das sich laut Studien sogar in Eifersuchtsanfällen äußern kann.
Ist dir auch schon mal aufgefallen, dass du nach einem tollen Abend den Kerl viel toller findest als davor? Spoiler: Dass aus dem netten Typen über Nacht ein veritabler Traumprinz wurde, liegt nicht nur an seinem Charme. Das liegt daran, dass du mit ihm nicht nur auf Tuch- sondern auch auf Hautfühlung gegangen bist. Die Forschung belegt außerdem, dass Frauen, die zum Höhepunkt kommen, einen noch höheren Oxytocinspiegel aufweisen. Das macht den Partner merklich attraktiver. Und uns selbst? Merklich toleranter.
Moralische Grenzen
Auch wenn ich nicht jeder Studie blind vertraue, diesen Erkenntnissen glaube ich. Sie erklären Beziehungen mit Männern, die mir nur im Bett gewachsen waren, sie erklären, warum ich mich noch nie mit einem One-Night-Stand zufrieden geben wollte, selbst wenn der Mann ohne rosa Oxy-Brille eigentlich ... naja, lassen wir das.
Ein Beispiel aus der Schatzkiste meiner noch abrufbaren Erinnerungen verdeutlicht das Debakel: Liebhaber, vergeben. Ihm war stets wichtig, dass alles nett und fair abläuft – was an sich, so man sich zur „freien Liebe“ bekennt, sogar funktionieren kann. Aber geoutet wurde dann trotzdem nie. Es tut ja auch allen Beteiligten schrecklich weh, wenn man der Partnerin die Geliebte präsentiert, im schlimmsten Fall setzt es sogar eine mit dem Nudelholz.
Ihm war manchmal nach Sex, aber nicht immer, weil wahrscheinlich: Gewissensbisse. Aber sonst gab's immer das volle Programm, auch gefühlsmäßig. Es war intensiv. Und jedes Mal, wenn ich nach so einer Nacht nachhause wankte, war ich voller Leidenschaft. Ich war verliebt. Glaubte ich. Ich wollte mehr. Ohne Schimmer, was eigentlich genau.
In Wirklichkeit
Er fuhr auf Urlaub, ich hatte beruflichen Stress, wir trafen uns seltener. In den Phasen ohne körperliche Nähe, sinkt der Oxytocinspiegel. Und die Toleranzgrenze damit auf Realitätsniveau. So leidenschaftlich diese Amour Fou auch gewesen sein mag, meine moralische Grenze – die gerade nicht vom Glückshormom erweitert war – machte irgendwann dicht. Im Bett hätte ich ihm vielleicht verziehen, dass er seine Freundin betrog. Ohne Droge eben nicht. Wahrscheinlich ist deshalb auch ratsam, erstmal ordentlich runterzukommen, bevor man weitermacht.
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