Wohnst du noch oder lebst du schon? 2002 war das der werbewirksame Slogan eines Möbelhauses. Fast 20 Jahre später stellt sich tatsächlich die Frage: Wie können wir in Zukunft zeitgemäß(er) leben? Nicht zuletzt aufgrund der in der Pandemie erfahrenen Vereinsamung interessieren sich zunehmend mehr ältere Menschen für eine Wohn- oder Hausgemeinschaft. Aber wie unterscheiden sich diese beiden Wohnmodelle?
Wohngemeinschaft oder Hausgemeinschaft?
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- Charakteristikum einer Hausgemeinschaft (HG) ist, dass jede Partei eine eigene, abgeschlossene Wohnung hat; in der Regel sind das zwei Zimmer. Zudem gibt es zumindest eine Räumlichkeit, die gemeinschaftlich genutzt wird, zum Beispiel ein großes Wohnzimmer oder eine Wohnküche.
Im Hinblick auf die klar abgetrennten Nutzungsbereiche ist eine HG nicht nur für Paare, sondern auch für Singles mit einem stark ausgeprägten Rückzugsbedürfnis besser geeignet als eine Wohngemeinschaft (WG). - Für die Wohngemeinschaft entscheiden sich Menschen Ü50 – übrigens mehrheitlich Frauen – vor allem deshalb, weil sie das Sharing-Prinzip ganzheitlich und umfänglich als Philosophie leben möchten.
Die WG – in Amerika schon lange Trend
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Die WG als selbstbestimmtes Lebenskonzept und Lifestyle für ältere Menschen ist hierzulande noch relativ neu. In den USA hingegen war sie schon in den 1950 und 60er Jahren ein gängiges Wohnmodell.
Beispielhaft angeführt sei an dieser Stelle die Komödie Ein seltsames Paar mit Jack Lemmon und Walter Matthau aus dem Jahr 1968. Ein aktuelles Beispiel ist die Netflix Produktion Grace & Frankie mit Jane Fonda und Lily Tomlin in den Hauptrollen. Während im ersten Fall die männlichen Protagonisten in einer großen Wohnung zusammenleben, teilen sich die beiden weiblichen Protagonistinnen ein Haus. In beiden Fällen handelt es sich um eine Wohngemeinschaft (WG) – abgesehen von den Schlafzimmern – da die Bewohner:innen alle Räume gemeinsam nutzen.
HG oder WG – welche gemeinschaftliche Wohnmodell passt zu mir?
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Um eine Antwort auf die Frage zu finden, welches gemeinschaftliche Wohnmodell – HG oder WG – für dich das richtige ist, musst du dir zuvorderst darüber klar werden, welche Erwartungen du an das Zusammenleben hast.
Zudem solltest du deine Präferenzen hinsichtlich Immobilientyp, Ausstattung, Standort und - damit nicht zuletzt – auch deine finanziellen Möglichkeiten in deine Überlegungen einbeziehen.
Nicht zuletzt spielt auch der Faktor Zeit eine Rolle: Der Weg in eine HG ist um ein Vielfaches länger als der in eine WG.
Grundsätzlich aber umfassen beide Wege folgende vier Etappen:
Etappe 1: Die Suche nach WG-Mitbewohner:innen
Empfehlenswert ist vor allem die Suche auf gängigen Plattformen. Erfahrungsgemäß beschreiben sich fast alle Inserent:innen als weltoffen, humorvoll und tolerant. Es gilt also, diese und alle anderen Angaben kritisch zu hinterfragen oder selbst eine Anzeige aufzugeben, die die wichtigsten Filterkriterien enthält.
Etappe 2: Die telefonische Kontaktaufnahme
Die telefonische Kontaktaufnahme solltest du proaktiv angehen, denn sonst verlierst du nur unnötig Zeit. Sollten nämlich die jeweiligen Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen bezüglich des Zusammenlebens und eure Hobbys und Interessen doch nicht wie gehofft übereinstimmen, kannst du schnellstmöglich in die nächste Runde gehen.
Etappe 3: Das persönliche Kennenlernen
Nun geht es um die Chemie. Für dieses Beschnuppern solltest du dir ausreichend Zeit nehmen. Zwei oder drei Treffen reichen sicher nicht. Bedenke: du stehst kurz davor, die vielleicht wichtigste Entscheidung für deine zweite Lebenshälfte zu treffen. Meine Empfehlung: Vertraue nicht nur auf dein Bauchgefühl, bevor du den nächsten Schritt machst. Diskutiere gemeinsam mit deinen potenziellen Mitbewohner:innen auch die Inanspruchnahme eines wissenschaftlich untermauerten Matchings und/oder eines Kennenlern-Workshops unter professioneller Supervision.
Etappe 4: Die Suche nach einer geeigneten WG-Immobilie
Die Suche nach einer passenden Immobilie für eine Wohngemeinschaft bedingt, dass du dir über persönliche No Gos (Stichwort: Rauchen, Haustiere etc.) und Must Haves im Klaren bist. Berechne möglichst genau, wie viel Fläche du für die Möbel benötigen wirst, die du unbedingt mitnehmen willst. Realistischerweise erwarten dich mehrere Abstimmungen mit der Gruppe. Denn bei diesem Punkt geht es ums Loslassen – für alle Beteiligten. Am Ende dieses Prozesses geht es dann auf die Zielgerade: Die Immobiliensuche kann beginnen.
In der WG zusammen glücklich: eine realistische Perspektive
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Die gute Nachricht vorweg: In jüngster Zeit werden zunehmend Immobilien für WG-Interessent:innen 50plus angeboten. Denn viele Vermieter:innen nutzen die Chance, so auch Objekte an Mann oder Frau zu bringen, die aufgrund ihres Raumkonzeptes für die typische Durchschnittsfamilie (Paar mit zwei Kindern) nicht geeignet, zu groß und/oder auch zu teuer sind. Meine Prognose: Dieser Trend wird sich nicht nur fortsetzen, sondern sogar noch verstärken.
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